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Foto zeigt mehrere Gebäude einer eisenzeitlichen Hofanlage.

Gebrauchsanleitung

Merkmalskatalog zur Aufnahme verzierter Keramik nach den Leitlinien des SAP-Projektes

Stand 08.03.2010
Autor: Hans-Christoph Strien

Seit 1973 wird das zunächst im Rahmen des Projektes "Siedlungsarchäologie der Aldenhovener Platte (SAP)" von Petar Stehli entwickelte Aufnahme- und Kodierungssystem für Bandkeramik angewendet. 1987 haben Stehli und Hans-Christoph Strien eine erweiterte Fassung des Merkmalskatalogs erstellt, die seither als Manuskript in Umlauf ist. Verschiedene Bearbeiter aus dem Rheinland, aus Südwestdeutschland, aus Hessen, Westfalen und Niedersachsen, sowie aus Rheinland-Pfalz und Bayern haben diesen Katalog kontinuierlich ergänzt und ihre Daten in einen gemeinsamen Pool eingepflegt. Durch unkoordinierte Erweiterungen war jedoch mittlerweile ein beträchtlicher Wildwuchs entstanden.

Insbesondere die Typenlisten von Kneipp (1998) sind problematisch, da hier zum Teil bereits definierte Typen umdefiniert (z. B. R43 und B62: statt als zwei einzelne Stichreihen als eine Doppelstichreihe beschrieben) oder Typbeschreibungen falsch abgeschrieben wurden (z. B. B125). Daneben wurden bereits an andere Bearbeiter (z. B. Fritsch 1998) vergebene Typnummern erneut belegt. Deshalb wurde der Katalog im Rahmen eines von der Braunkohlenstiftung finanzierten Projektes bereinigt und neu strukturiert. Im Zuge der Bereinigung der Listen wird stets die Definition der jeweiligen Erstpublikation verwendet.

Bitte keinesfalls mehr die Definitionen von Kneipp verwenden!

Das gilt auch für alle in Umlauf befindlichen kopierten Sammlungen, da sie in der Regel auf dem Katalog von Kneipp basieren. Die Texte der Typdefinitionen wurden standardisiert und deshalb in weiten Teilen neu formuliert. Das war notwendig, um mit Sortierfunktionen die Typen in eine sinnvolle Reihenfolge bringen zu können. Definitionen wurden inhaltlich nur dann gegenüber der Erstpublikation verändert, wenn der Typ bisher offenbar nur singulär vorkam und eine engere Definition sinnvoll schien (vor allem bei Varianten der U- und V-Motive bei den Sekundärmustern). Bei Widersprüchen zwischen Text, Typskizze und Belegstück (besonders häufig bei Lehmann 2004) wurde die Definition an das Belegstück angepasst (bei Einzelstücken) oder als unklar gesperrt. Sollten trotz (oder wegen) der Bereinigung noch Unklarheiten bei Typdefinitionen bestehen, bitte mitteilen! (Kontakt: )

Es stehen zwei Versionen des Katalogs zur Verfügung:

  • In der numerisch sortierten Version erscheinen alle jemals vergebenen Nummern. Sie soll vor allem dazu dienen, bei Publikationen im Text erscheinende, aber nicht abgebildete Typen einfach nachschlagen zu können. Lediglich gesperrte Typen, die eine doppelt belegte Nummer haben, wurden nicht neu nummeriert; sie haben alle die Typnummer 9999.
  • In der für neue Aufnahmen gedachten typologisch sortierten Version wurden Dubletten, Varianten der Stichform etc. komplett gestrichen. Daneben wurden alle Kombinationen von Typen (z. B. B51=B11 und B13 auf einem Gefäß) gesperrt. Solche Kombinationen sollen zukünftig zerlegt werden (da die EDV-technischen Restriktionen der 70er Jahre längst Vergangenheit sind, ist dies unproblematisch, man muss nur ein zusätzliches Merkmal "Bandtyp2" bzw. "Sekundärmuster2" o. ä. in die Datensätze aufnehmen). Bei den Rändern wurde das Merkmal "Metopierung des Randes" neu eingeführt, was eine erhebliche Verringerung der Typenzahl ermöglichte. Es bleibt nur die Nummer des nicht metopierten Randes bestehen. Schließlich wird von allen Kamm- (und Doppelstich-)typen, die sich lediglich in der Zahl der Zinken unterscheiden, jeweils nur der Typ mit der niedrigsten Nummer beibehalten. Anstelle der Unterscheidung durch Typnummern wird das neue Merkmal "bei Kamm: Art des Gerätes" (siehe unten) eingeführt. Es erscheinen also nur Typen, die weiterhin belegt werden sollen. Soweit sie dennoch als "Gesperrt" gekennzeichnet sind, heißt das, dass sie nur noch für Zweifelsfälle verwendet werden sollen, wo nicht einwandfrei zu entscheiden ist, zu welchem Typ das Stück gehört (also wird z. B. B11 nur noch verwendet, wenn nicht zu entscheiden ist, ob es sich um B167 oder B168 handelt).

Beide Kataloge werden in drei Blöcken zum Download zur Verfügung gestellt: Bänder (Bandtypen, Bandabschlüsse, Bandunterbrechungen), Ränder (Randtypen, Metopierungen), Zwickel (Sekundärmuster).

Aktuell sind im Katalog rund 270 Bandtypen, 190 Ränder mit 19 Metopierungen, knapp 900 Zwickel, 100 Bandabschlüsse und 80 Bandunterbrechungen enthalten. Der noch im Aufbau befindliche, hier noch nicht veröffentlichte Katalog der Hauptmotive enthält bereits über 50 Typen. Da auch neu definierte Typen aus noch nicht abgeschlossenen Arbeiten enthalten sind, liegen zu einigen Typen bisher nur die Beschreibungen, aber noch keine Skizzen vor. Diese werden ebenso wie zukünftig neu hinzukommende Typen nach und nach eingepflegt. Es ist also ratsam, wenn über längere Zeit mit dem Katalog gearbeitet wird, ab und an die aktualisierte Version herunterzuladen. Der jeweilige Aktualisierungsstand ist unten auf dem Deckblatt zu finden.

Bei manchen Typen wird ein Verbreitungszentrum angegeben. Dahinter steht meist keine detaillierte Kartierung, sondern eine allgemeine Beobachtung. Sinn ist, Bearbeiter ggf. darauf hinzuweisen, dass ein bei ihnen seltener Typ auch ein Import sein könnte. In der Vergangenheit zeigte sich nämlich wiederholt, dass solche Typen kommentarlos in den Typenlisten erscheinen (z. B. B131, der fast ausschließlich im Elsass vorkommt, bei Lehmann 2004), weil sie offenbar nicht als mögliche Fremdform erkannt wurden.

Download der Kataloge: (Stand 08.03.2010)

Wenn Sie über die Aktualisierung der Kataloge informiert werden möchten, schicken Sie bitte eine kurze E-mail an:

Typologisch sortierte Version

Bänder, Ränder

Die Gruppenbildung folgt rein der Technik der Ausführung.

Abweichend vom bisherigen System werden auch plastische Verzierungen an Grobkeramik in die Liste der Bandtypen aufgenommen (bisher als eigene Liste erfasst). Das ist deshalb sinnvoll, weil einzelne grobkeramische Verzierungen (z. B. B23 und R29-32) schon bisher in das System integriert waren und die plastischen Verzierungen zum Teil auch chronologisch relevant sind. Vereinzelt können in die Rubrik "Grobkeramik" eingeordnete Verzierungen auch an feinkeramischen Gefäßen vorkommen (z. B. Fingertupfen/Kerben auf dem Rand).

Bei den Randverzierungen ist neu zusätzlich das Merkmal "Metopierung des Randes" zu bestimmen.

Kammstich: das Merkmal "bei Kamm: Art des Gerätes" dient zur genauen Beschreibung der Kammstichverzierungen, ohne dadurch die Zahl der Typen stark anwachsen zu lassen.

Ausprägungen:

1 - Spatel (bei Tremolierstich)
12 - Spatel oder 2zinkiges Gerät (bei Tremolierstich, für Zweifelsfälle)
2 - Doppelstich
3 - 3zinkiger Kamm
4 - 4zinkiger Kamm
usw.

29 - 2 oder mehr (nicht näher bestimmbar)
39 - 3 oder mehr
usw.

99 - unbestimmbare Zahl bzw. nicht aufgenommen

Sekundärmotive

Die Trennung in vollständige und unvollständige sekundäre Motive wird aufgegeben, zumal sie schon bisher nicht von allen Autoren konsequent gehandhabt wurde. Einige unvollständige Motive, die sich ohne weiteres ergänzen lassen, wurden entweder als vollständig beschrieben, oder - wenn es bereits eine Beschreibung des vollständigen Typs gab - gestrichen.
Die Gruppenbildung dient nur der übersichtlicheren Gliederung. Sie soll dem Bearbeiter die Suche nach einem im Material erkannten Motiv erleichtern. Sie fasst zwar im Einzelfall auch ikonographisch zusammengehörige Typen zusammen, doch ist das nicht das primäre Ziel. Die Bildung weiterer Gruppen sollte daher zunächst nur vorgeschlagen werden, wenn man sich davon mehr Übersichtlichkeit verspricht, nicht wegen möglicher Bedeutungsinhalte.

Hinweise zur Materialaufnahme:

Bei der Materialaufnahme nach diesem Katalog ist im Interesse der Vergleichbarkeit der Daten unbedingt zu beachten:

  • Unerfahrene Bearbeiter sollten ihre Bestimmungen möglichst schon in einem frühen Stadium mit einem erfahrenen Anwender des Katalogs abgleichen. So werden die unvermeidlichen individuellen Unterschiede bei der Typansprache auf ein Mindestmaß reduziert. Dabei geht es oft nicht einmal um "richtig" oder "falsch", sondern bei den mitunter nicht ganz scharfen Abgrenzungen zwischen Typen (etwa schmalen und breiten Ritzlinienbändern) um eine möglichst gleiche Grenzziehung in Zweifelsfällen. Außerdem profitiert man dann davon, dass erfahrene Kollegen meist einige für unbestimmbar gehaltene Fragmente doch noch ansprechen können. Normalerweise wird sich jemand dazu bereitfinden, denn im Gegenzug lernt man ja neues Material kennen. Im Extremfall kann Einzelkämpfertum dazu führen, dass die Datenliste sich hinterher als für Vergleiche unbrauchbar entpuppt (es gibt ein publiziertes Beispiel, das hier nicht genannt sein soll)
  • Grundsätzlich nicht allein auf die Typskizze
  • verlassen, sondern auch den Text dazu lesen! Manche Typskizzen weichen geringfügig vom Text ab, manchmal gibt die Zeichnung nicht die volle Bandbreite des Typs wieder (z. B. Stichzahl in einer Reihe, Einzel-/Doppelstich) - maßgeblich ist die Beschreibung. Die unklaren Skizzen sollen nach und nach ausgetauscht werden, aber das kostet Zeit!
  • Bitte sorgfältig die Nomenklatur beachten: doppelte Stichreihen und Doppelstichreihen z. B. sind etwas Verschiedenes!
  • Auf keinen Fall abweichende Definitionen bestehender Typen einführen (z. B. B126 ausweiten auf 3-5 Stichpaare oder umgekehrt reduzieren auf 3 Stichpaare statt richtig 3-4 Stichpaare oder S30 als Doppelstich statt richtig doppelte Stichreihe). Ggf. lieber neue Typen begründen (also z. B. B126 aufspalten in zwei Typen B1001 und B1002: 3 bzw. 4 Stichpaare). Der Verstoß gegen diese Regel in der Typenliste von Kneipp hat in der Vergangenheit heilloses Chaos angerichtet!
  • Keine Zusammenfassung von Typen, insbesondere, wenn die unterschiedlichen Varianten bereits als chronologisch, sozial oder geographisch aussagekräftig erkannt wurden (z. B. B123, 124, 125). Oftmals wird es sinnvoll sein, Typen in der Auswertung je nach Fragestellung zusammenzufassen, in den Rohdaten sollten sie jedoch unterschieden werden.
  • Bei unterschiedlichen Stichzahlen auf einem Gefäß bestimmt die höchste den Typ. Also: Band mit einzelnen Stichreihen quer dazu wird zu 123, wenn alle erhaltenen Stichreihen aus 3 Stichen bestehen, bei zweimal 3 und einmal 4 Stichen wird es zu 124, analog bei den Sekundärmustern: immer 2 Stiche untereinander = S14, mal 2, mal 3 Stiche untereinander = S15 (und nicht S14 + S15)
  • Falls von diesen Regeln abgewichen wird, sollte dies unbedingt in der Publikation erwähnt werden, damit jedem Benutzer klar ist, dass die Daten trotz scheinbarer Vergleichbarkeit nicht voll kompatibel mit anderen Arbeiten sind. Besser wäre es, in solchen Fällen dieses System überhaupt nicht zu verwenden.

Neue Typen

Jedem Bearbeiter steht es frei, neue Typen zu definieren. Falls dabei die vorstehenden Regeln zur Kompatibilität beachtet wurden, können und sollen neue Typen kontinuierlich in den Katalog eingearbeitet werden. Um mühsame Umcodierungen zu vermeiden, sollten interessierte Bearbeiter sich frühzeitig Nummernkontingente zuteilen lassen. Bitte keine "wilden" Nummernvergaben!

Generell gilt:

  • Unterschiedliche Stichformen begründen keinen neuen Typ. Soweit bestehende Typdefinitionen gegen diese Regel verstoßen, werden sie als gesperrt gekennzeichnet. Es steht Bearbeitern, die die Berücksichtigung der Stichform für wichtig halten, frei und ist durchaus erwünscht, ein neues Merkmal "Stichform" einzuführen.
  • Gleiches gilt (bei den Bändern) für unterschiedliche Motive, die gleich ausgeführt sind (z. B. B27, 211, 227). In Einzelfällen kann eine Vermischung von Band und Motiv nicht ganz vermieden werden, jedoch sollte dies auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben.
  • Bei Kammstichverzierungen spielt die Zahl der Zinken keine Rolle; sie wird bei der Aufnahme mit dem zusätzlichen Merkmal "Art des Gerätes" erfasst.
  • Sekundärmuster sollten nur dann als unvollständig beschrieben werden, wenn sie nicht problemlos ergänzt werden können.

Vorschläge neuer Typen bitte (mit klarer Definition, Typskizze - am besten als *.bmp, Größe 4x4cm - und idealerweise Abbildungsnachweis eines Belegstücks) an die "AG Merkmalskatalog" (email: ).

Neue Merkmale

Wer neue Merkmale einführt, darf und soll sie mit möglichst klarer Definition zur Aufnahme in diesen Katalog vorschlagen. Wünschenswerte, bisher nicht in den Listen unseres Kataloges enthaltene Merkmale sind z. B. :

  • Motive (1-56 bereits vergeben, Strien in Vorbereitung.)
  • Stichform
  • Horizontale und vertikale Gliederungselemente (z. B. Pechtl 2009)
  • "élargissements" (eine deutsche Bezeichnung fehlt bisher, siehe Lefranc 2007)

Datenaustausch

Vorgesehen ist der Aufbau einer Datenbank, die alle bisher erfassten Inventare beinhalten soll. Wegen des notwendigen Abgleichs, wer wann welchen Stand des Katalogs verwendet hat, und der deshalb notwendigen Umcodierungen wird dies noch einige Zeit dauern. Grundsätzlich ist vorgesehen, dass jeder, der seine Daten zur Verfügung stellt, auch Zugang zum gesamten Datenpool erhält. Solange der Datenpool noch nicht aufgebaut und nicht mit allen beteiligten Bearbeitern klare Regeln zur Datenfreigabe vereinbart sind, ist dennoch der begrenzte Zugang in Absprache mit den jeweiligen Bearbeitern möglich. Interessenten wenden sich entweder an die AG Merkmalskatalog oder direkt an den Bearbeiter.

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Europa in Bewegung

Lebenswelten im frühen Mittelalter

bis 25. August 2019

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Die Ausstellung präsentiert ein überraschend vielschichtiges und facettenreiches Bild der spätantiken und frühmittelalterlichen Regionen zwischen Irland und Spanien im Westen und Ägypten und Ungarn im Osten. Trotz aller Unterschiede im Umgang mit dem Erbe der Antike ist diese Epoche von faszinierenden Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Lebenswelten mit ihrer geradezu überbordenden kulturellen Vielfalt geprägt.

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