Kirche – Glocke – Gräberfeld. Die mittelalterliche Kapelle Vilvenich im Tagebau Inden
Die Kapelle von Vilvenich im Kreis Düren war eine der letzten und weitgehend im Baubestand erhaltenen hochmittelalterlichen Saalkirchen der Region (Abbildung 1). Ziel des über eine Laufzeit von einem Jahr geplanten Projektes 335 war die Auswertung der Ausgrabung an der Kapelle sowie die Vorbereitung einer Publikation der Ergebnisse in den Bonner Jahrbüchern.
Die kleine Kapelle wurde bereits 2010 niedergelegt und mitsamt dem zugehörigen Gräberfeld im Rahmen des landschaftsarchäologischen „Pier-Projektes“ (Antrag 232) der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie an der Universität Bonn im Umfang von sechs Monaten zwischen August 2015 bis Juli 2017 untersucht (Aktivität WW 2016/0031). Kooperationspartner waren das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR), Außenstelle Titz, und das LVR-LandesMuseum in Bonn. Vor ihrem Abriss konnte die Kapelle mit Methoden der historischen Bauforschung von einem Team der RWTH Aachen untersucht werden. Die durch Torsten Rünger (Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Universität Bonn) durchgeführte Auswertung agiert daher an der Schnittstelle zwischen Baukunde und Archäologie, wodurch bislang kaum beleuchtete Aspekte des mittelalterlichen Kirchenwesens im Rheinland sichtbar werden.
Die Ausgrabungen an der Kapelle umfassten eine ca.ca. 1500 Quadratmeter große Fläche mit insgesamt 372 Stellen- bzw.bzw. Befundnummern (folgend siehe auch Abbildung 2, 4). Einzelne Bestattungen sowie Pfostengruben südlich der Kapelle datieren bereits in die frühe Merowingerzeit. Bei erstgenannten handelt es sich vermutlich um Hofgrablegen, wie sie vielfach aus Süddeutschland und auch aus dem Rheinland bekannt sind. Eine vormerowingerzeitliche, jedoch nur geringe Siedlungsaktivität reicht bis in die Römerzeit und Spätantike zurück. Demgegenüber wurde in der Rurniederung ein römisches Gebäude und entlang der Pierer Straße ein birituelles Gräberfeld der Spätantike entdeckt (Geilenbrügge u.a. 2018). Römische Weihaltäre, die als Spolien im Mauerwerk der Kapelle verbaut waren,bezeugen außerdem die Existenz eines bisher nicht lokalisierten Heiligtums. Die wissenschaftliche Auswertung der Fragmente ist Dr. Gerhard Bauchhenß zu verdanken. [...]
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Kontakt: truenger@uni-bonn.de
Vilvenich: 3D-Rekonstruktion (Bau V) nach Welter/Korfmacher 2006 (Anna Stefanischin/Thorsten Rünger, Universität Bonn).