Logo Stiftung Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier
Foto zeigt mehrere Gebäude einer eisenzeitlichen Hofanlage.

Mittelalterliche und neuzeitliche Lederfunde aus Adelssitzen im Rheinischen Braunkohlerevier

Christian Schumacher M.A.

In einem Dissertationsprojekt der Ludwig Maximilians Universität München konnten mit Funden aus dem Werkstoff Leder eine bislang nicht so im Fokus stehende Materialgruppe untersucht werden.

Es handelte sich dabei um Objekte, die im Zuge der Ausgrabungen an den Fundplätzen Niederungsburg Königshoven, dem Burghof Belmen im Elsbachtal sowie den beiden Herrensitzen Haus Bock und Haus Ahr in der abgebrochenen Ortslage Patteren (bei Aldenhoven) geborgen worden waren.

Mit den Ausgrabungen waren Wohnplätze der adelige Oberschicht des rheinischen Braunkohlereviers ausgewählt worden, weil sich hier für diese Fundgruppe ausreichende Erhaltungsbedingungen gefunden haben. Da zur Umwehrung der meist in gewässereichen Niederungen liegenden Adelssitze die zahlreich vorhandenen Wasserläufe in umfangreichen Grabensystemen gefasst wurden, konnten sich im feuchten Milieu organische Materialien außerordentlich gut erhalten. Weitere Funde kommen aus anderen Befunden, wie etwa Brunnen oder Stickungen. Die unterschiedlichen Befundkontexte und das Nutzungsverhalten der ehemaligen Bewohner haben dazu beigetragen, dass die Lederobjekte in unterschiedlichen Erhaltungszuständen überliefert sind.

Den zahlreichen und funktional doch recht unterschiedlichen Lederfunden konnten dabei Informationen zu verschieden kulturwissenschaftlichen Fragefeldern entlockt werden.

Zunächst war jedoch eine intensive auch handwerkliche Beschäftigung mit den in allen Erhaltungszuständen vorliegenden Funden notwendig, bei der sich insbesondere die Zusammenarbeit mit dem technischen Personal der Dienststellen des LVR Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege als großer Gewinn herausstellte. Die Ledergegenstände wurden anschließend zeichnerisch, fotografisch und in Katalogform beschrieben. Im Anschluss an diesen praktischen Teil der Bearbeitung gelang es, das Fundmaterial zu ordnen und je nach funktionaler Bestimmung in ein Typologieschema zu gliedern.Dieser Arbeitsschritt bildete die Grundlage für einen Vergleich der Gegenstände mit Parallelfunden aus anderen Fundplätzen. Der geografische Raum dafür erstreckt sich über den gesamten nordwestlichen und zentralen Teil Europas. Für Funde aus Königshoven zeigten sich sogar Anknüpfungspunkte zu mittelalterlicher Schuhmachertradition Italiens. [...]

Vollständiger Text zum Download (PDF, 254 KB)

Kontakt: Christian Schumacher M. A.,

Zu sehen ist eine mittelalterliche Trippe, ein Oberschuh zum Schutz vor Straßenschmutz. Sie besteht aus einem Holzblock, der zwei stelzenförmige Standflächen hat. Daran ist ein mit Ritzungen und Punzen geometrisch verziertes Vorderblatt befestigt.

Trippe aus Königshoven (Foto: Christian Schumacher M. A.)

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