Logo Stiftung Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier
Foto zeigt mehrere Gebäude einer eisenzeitlichen Hofanlage.

Gesteinsinventar der linienbandkeramischen Siedlung Frimmersdorf 141

Jonas Schlindwein

Der bandkeramische Siedlungsplatz Frimmersdorf 141 lag im Elsbachtal südlich der Großstadt Mönchengladbach und existierte circa von 5100 bis 4950 cal BC. Neben Frimmersdorf 141 konnten in direkter Nähe noch drei weitere bandkeramische Siedlungen (Frimmersdorf 139, 2008/100 und 2009/0002) und in rund einem Kilometer Entfernung ein Gräberfeld (Frimmersdorf 2010/0037 und 2011/0007) ergraben werden. Ob das Gräberfeld in Bezug zu den drei Siedlungen stand, ist aber noch unklar.

Ziel der Arbeit ist es, die Feuersteine des Fundplatzes deskriptiv und statistisch zu analysieren und die so erhobenen Daten zu interpretieren. Dazu wurden die Artefakte anhand des von Andreas Zimmermann aktualisierten SAP-Aufnahmesystems aufgenommen und in einer Excel-Datenbank festgehalten. Die Durchführung der statistischen Analysen fand mittels des Statistikprogramms „R“ statt.

Die Auswertung der Daten erbrachte überraschende Ergebnisse. Bandkeramische Siedlungen werden in zwei Kategorien unterschieden: Produzentensiedlungen oder Verbrauchersiedlungen. Produzentensiedlungen übernahmen die Versorgung der Verbrauchersiedlungen mit Feuersteinen. Sie gaben Artefakte wie Kerne, Klingen und auch Geräte an die Verbrauchersiedlungen weiter. Somit gelangten aus den Produzentensiedlungen entweder ähnlich große oder kleinere Artefakte in die Verbrauchersiedlungen. Die statistischen Analysen der Artefakte aus Frimmersdorf 141 ergeben jedoch, dass die dort genutzten Artefakte teilweise größer waren. So sind die Kerne und einige der Sicheleinsätze deutlich größer als solche aus Frimmersdorf 139 (Abbildung 1). Zudem unterscheidet sich die Rohmaterialzusammensetzung in Frimmersdorf 141 deutlich von denen der drei umliegenden Siedlungen (Abbildung 2). Es lassen sich sogar keine Entsprechungen im Rheinland finden. Aus diesen Gründen muss davon ausgegangen werden, dass Frimmersdorf 141 nur einen Teil seiner Artefakte aus Frimmersdorf 139 bezog. Der andere Teil stammte von einer noch unbekannten Produzentensiedlung. Welche Siedlungen dafür in Frage kämen, kann nicht mehr abschließend geklärt werden. Neben einer weiteren lokalen Siedlung gibt es auch Hinweise auf mögliche überregionale Siedlungen, die diese Rolle hätten übernehmen können. So gab es in der Gegend um Maastricht einige bandkeramische Siedlungen aus demselben Zeitraum, die vergleichbare Rohmaterialspektren aufwiesen.

Vollständiger Text zum Download (PDF, 40 KB)

Kontakt: Jonas Schlindwein M.A.

Diagramm: Das Säulendiagramm beschreibt die prozentuale Verteilung der Feuerstein-Rohmaterialspektren aus Frimmersdorf 141 (FR141) und sieben weiteren Vergleichssiedlungen des Rheinlandes.

Rohmaterialspektren ausgewählter bandkeramischer Siedlungen des Rheinlands. Auffällig sind die Anteile des Hellgrau „belgischen“ Feuersteins (Hellgrauer) und des Rullen Feuersteins (Rullen) in Frimmersdorf 141 (Grafik: Jonas Schlindwein).

Helfen auch Sie mit, um im Wettlauf mit der Zeit die Bodendenkmäler im Braunkohlenrevier vor ihrer Zerstörung zu bewahren.

Jede Spende zählt, ganz gleich in welcher Höhe!

Spenden Sie!

Vorzeitgeschichte(n) – Köln in schriftlosen Zeiten

Ab 4. April 2017

Römisch-Germanisches Museum Köln

‚Leben am Fluss‘ ist seit der mittleren Steinzeit das Motto für Jäger und Sammler, für die ersten Ackerbauern und Viehzüchter, für die Siedler der Bronze- und Eisenzeit im Rheinland. Das Römisch-Germanische Museum zeigt im Foyer des Hauses eine kostbare Auswahl größtenteils noch nie gezeigter Funde aus der reichen Sammlung zur Kölner Vorzeit. mehr